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Traditionelle Erfahrungsmedizin kontra moderne Pharmazie?

Knapp 60 Teilnehmer hatten sich im D-A-CH – Freundesclub Pattaya, natürlich wieder auf dem Dach des Markland-Hotels, eingefunden, um einem hoch interessanten Vortrag des Herrn Dr. Lehner, der heute Privatdozent an der Fakultät pharmazeutischer Wissenschaften der Universität Khon Kaen ist, zu folgen.

Herr Dr. Lehner hat Schulmedizin in Wien studiert und praktiziert, hat sich dann der Pharmakologie zugewandt und in Folge in vier Konzernen die Entwicklung und Wirkungen pharmazeutischer Produkte verfolgen können, bevor er sich alternativer Erfahrungsmedizin, die in Jahrtausende langer Tradition mit Heilkräutern praktiziert wurde, zuwandte. Aufgrund seiner vielseitig gewonnenen Erfahrungen ist er heute als Ganzheitsmediziner angesehen, der nicht nur über das Wissen der Schulmedizin verfügt, sondern darüber hinaus die Wirksamkeit und natürlich die Nebenwirkungen von chemisch hergestellten Pharmazie Produkten wie auch von Heilkräutern bewerten kann. Dazu kommt ein den Schulmedizinern auch heute noch nicht an den Universitäten vermitteltes Wissen der Psychologie. Neben der Vermittlung seines umfassenden Wissens verantwortet er ein Arbeits- Netzwerk, angefangen vom Sammeln der Heilkräuter, Aussortieren bester Kräuter über Tests der Heilswirkungen, Produktion von Medikamenten bis zur Qualitätskontrolle. Für Tests und Kontrollen bedient er sich der Einrichtungen der Wiener Universität.

Dr. Lehner arbeitet mit Arun Anthasakham, die ihrerseits eine Professur für Pharmazeutische Botanik und Pharmakologie an der Universität Khon Kaen bekleidet. Wie sie selbst in Ihrem einmalig informativem und für jedermann interessanten Buch „Gesundheit durch siamesische und südostasiatische Heilkräuter“ beschreibt, hat sie der Umgang mit Heilkräutern innerhalb ihrer eigenen Familie von klein auf fasziniert. Sie hat Pflanzen und Früchte kennen gelernt, die Heilswirkungen erfahren und, daß das Maß aller Dinge die richtige Dosierung ist. In ihrem Buch beschreibt sie unter anderem, wie sich die Erfahrungen aus traditioneller Heilskunde mit den Erfahrungen wissenschaftlicher Erforschung an den westlichen Universitäten vergleichen lassen. Somit beantwortet sich die Frage des „Kontra“. Man lernt voneinander und ergänzt sich.

Beide Wissenschaftler widmen sich also der Traditionellen Thailändischen Medizin, genannt TTM, die eine 5000 jährige Vergangenheit hat, ähnlich der indischen und chinesischen Medizin. Die Einmaligkeit Thailands ist indes bestimmt durch die besonderen geographischen Gegebenheiten mit unterschiedlichster Botanik. So hat Thailand mit seinen 15000 Pflanzen und Kräutern einen in der Welt einmaligen Status (z.Vergl. besitzt ganz Europa gerade nur 3000).

Mit staatlicher Hilfe wurde in das „Primary Health Care System“ ins Leben gerufen, das vom Königshaus finanziell unterstützt wird, und somit ein „Kingsproject“ ist. Ziel dieses Forschungsprogramms ist es, die Ausbildung innerhalb der pharmazeutischen Fakultäten darauf auszurichten, daß das Wissen um die TTM erhöht wird. Andererseits soll die Bevölkerung wieder auf die Heilkräfte der Natur hingewiesen und zur preiswerten und wirksamen Selbstmedikation angeregt werden. Vorstellung ist, daß auf Balkonen und in Gärten verstärkt wieder wichtige Heilkräuter angebaut werden.

Besonderen Anlaß dazu geben die deutlich häufiger in Thailand in Erscheinung tretenden Fettsucht- Krankheiten, wie Diabetes, Bluthochdruck, Herzinfarkt, die durch neue Ernährungsgewohnheiten (Fastfoodketten, westliche Nahrungsmittel, wie Butter, Milch, Schokolade, Kekse etc.) bedingt sind. Die bis dahin vorbildliche Ernährung der Thais mit Reis, viel Gemüse, geringem Fleischkonsum, indes gänzlichem Fehlen von tierischen Milchprodukten wird durch „Lifestyle-Food“ gefährlich in den Hintergrund geschoben.

Zur Heilung verschiedener Krankheiten wurden annähernd 20 Heilkräuter und deren Wirkungen durch Dr Lehner vorgestellt. Zur Prävention speziell der Gefäßerkrankungen, die durch die falsche Ernährung verursacht werden, seien hier nur 3 Thailändische Heilkräuter herausgestellt. Kam foi (Färberdiestel) und Kratschieap: Die enhaltenen Substanzen senken den Cholesterinspiegel und wirken der Arterioklerose entgegen. Somk Käk :Behandlung von Übergewicht, u.a. durch Appetitzügelung, Senkung des Cholesterinspiegels. Darüber hinaus wirkt es entzündungshemmend und der Gefäßverkalkung entgegen.

Nach dem hoch interessanten, sehr informativen Vortrag wurde Dr. Lehner mit vielen Fragen aus dem Kreis der vielen Teilnehmer konfrontiert. Insgesamt ein sehr gelungener Abend auf dem D-A-CH.

uli